Pilger auf dem internationalen Cusanus-Pilgerweg
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Im Jahre 2011 ist die an der Lahn wohnende Frau Krystyna Cabaj auf dem ca. 1.500 km langen internationalen Cusanus-Pilgerweg zu Fuß von Bernkastel-Kues/Mosel nach Rom gepilgert.

Frau Cabaj vor dem Cusanus-Stift in Bernkastel-Kues (© M. Speder)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier veröffentlichen wir den von der Pilgerin verfassten Bericht über ihre Pilgerreise:

Wie sollte man das beschreiben, was man auf dem langen, einsamen Weg erlebte? Auf dem Papier sind das nur leere Worte, die diese gute und schlechte Tage spiegeln. Na ja, ich versuche es.

Man sollte im Leben drei Pilgerorte besuchen: Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem. Die erste Erfahrung auf dem Jakobsweg (Camino France von St. Jean Pied de Port) habe ich schon im Heiligen Jahre 2010 gemacht.

Als ich im Januar 2011 hörte, dass mein Papst Johannes Paul II selig gesprochen wird, entschloss ich mich spontan, zu Ihm zu Fuß zu gehen.

Mein Dilemma war nur der Start. "Wo soll nun ich anfangen?" fragte ich mich.
Ich wollte eigentlich von Krakau, von seiner Bischofsstadt losmarschieren, aber mir fehlten die Etappen.

Dann fand ich im Computer EUCH - die Cusanus-Rompilger -, die alle 14 Kreuzwegstationen nach Rom getragen habt. Ich war tief gerührt von eurer Geschichte. Ja, mit diesen Kreuzwegstationen, habt ihr es den langen und beschwerlichen Weg geschafft; das muss ich mit meinem Rucksack auch schaffen, dachte ich. Bis jetzt habe ich oft das Foto vor den Augen, wo ihr auf dem Petersplatz im Gänsemarsch mit den Stationen von 1 bis 14 andächtig geht.

IHR HABT GESCHICHTE GESCHRIEBEN!
Wisst ihr das?

Schade, dass ich euch nicht früher entdeckte, da wäre ich mitgegangen.

Der Gedanke, den Cusanus-Rompilgerweg zu gehen, wuchs und wuchs.
Die große Freude ergriff mich.
Die Flamme erhitze mein Herz.
Eure Tagesetappen druckte ich mir aus und studierte sie. Im Februar wollte ich schon loslegen; aber es war viel zu kalt und meine bestellten KEEN Schuhe kamen erst Mitte März. Es sollte so sein.

Endlich am 31.03.2011 fuhr ich nach BERNKASTEL-KUES. Matthias Speder und seiner Frau holten mich in Wittlich am Bahnhof ab und beherbergten mich sehr herzlich.
Am 01.04.2011 war die erste Etappe von BERNKASTEL-KUES nach SOHREN.
Den Anfang meiner Route möchte ich ausführlicher beschreiben, weil sie so ungewöhnlich und schön war.
Morgens früh nach dem Frühstück holten wir noch Manfred Felten, den stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins in Bernkastel-Kues ab. Der Pfarrer von Bernkastel-Kues, Herr Georg Moritz, drückte den Pilgerstempel
in meinen Pilgerausweis und spendete mir den SEGEN auf den Weg.
Froh und munter starteten wir über die Brücke in Bernkastel-Kues.
Manfred war unser Pilgerführer. Er hatte die ganze Strecke im Kopf; er brauchte keine Karte und keinen Rucksack. Das Essen versteckte er in den Jackentaschen.
A propo Rucksack. Mein großer Rucksack blieb im Auto. Matthias und ich gingen nur mit kleinen Rucksäckchen.
Kurz vor Sohren tranken wir noch ein Bier, -es gehört zum Pilgerleben-. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, geführt von zwei "Vätern" und dem kleinen Hund Freddi.
Spätnachmittags holte uns Manfreds Sohn zurück nach Kues. Hier besuchten wir Elisabeth Jung und ihrem Mann Jakob. Sie gewährten mir für zwei Tage Kost und Logis.
Am 02.04 fuhr mich Elisabeth nach Sohren, wo ich weiter nach Simmern und zurück gepilgert bin. Abends holte mich Elisabeth in Sohren wieder ab. Ich schaffte es noch zur polnischen Messe und Beichte in der Pfarrkirche in Kues. Bei Elisabeth und Jakob verbrachten wir bei gutem Essen und ein paar Gläschen Moselwein einen gemütlichen Abend.
Am dritten Tag brachte mich Matthias zum Ausoniusweg im Hunsrück und dann begann meine einsame Wanderung. Lange stand ich auf dem Feld und schaute zurück. Es waren so schöne drei Tage; ein schönerer Anfang kann es nicht geben, dachte ich. Ich fühlte mich so behütet und umsorgt.
DANKE für so viele GROSSE HERZEN.
Ich sagte zu mir:" Wenn der Anfang soooo gut ist, dann muss das Ende auch gut sein" Gott verlässt sein Kind nicht...
Und so war es auch!

Um es alles zu beschreiben oder zu erzählen bräuchte man viele, viele Abende. Ich mache es jetzt kurz und allgemein.
Ich schlief in Klöstern und Pfarrhäusern, bei Küstern privaten Leuten.
Das Foto von Papa J.P.II, das ich an meinem Rucksack trug, öffnete mir oft die Tore. Viele Italiener sagten: "Grande Papa, subito Papa", einige haben sogar das Bild geküsst.
Im Kloster hatte ich fast immer ein Bett, eine Dusche und das Essen. In den Pfarreien schlief ich oft auf dem Boden, wo ich meine Knochen spürte. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich daran. Die Müdigkeit war stärker als
die Unbequemlichkeit.
Ich bin allen sehr dankbar, die mich aufgenommen haben, dankbar für die schönen Begegnungen mit den Menschen und ihren persönlichen Geschichten.

Unterwegs, an schwierigen Stellen, musste ich oft an Euch denken...
Überall erzählte ich von Euch, von den Kreuzträgern. Viele meine Gastgeber erinnerten sich an Euch. Wie z. B. Pfarrer Becker in Marktheidenfeld (III. Station) oder die Pfarrsekretärin Heidrun Gärtner in Weibersbrunn. Ja, hier feierten wir die heilige Messe, sagte sie und erinnerte sich an die 14 Kreuzwegstationen, die vor dem Altar
aufgestellt wurden. 

Ihr habt Spuren hinterlassen. Ich war stolz diesen Weg zu gehen; hinter "Euren KREUZEN". Der Weg hat einen tiefen Sinn!

“DER WEG IST STRENG, VERLANGT VIEL, ABER GIBT VIEL AB.“

Ich habe dem Herrn meinen Weg empfohlen und vertraute IHM. ER hat es gefügt. ER ging mit mir. Ich ging mit großer Freude und Dankbarkeit. Alleine würde ich es nicht schaffen.

Ich war und bin gerne eine Pilgerin.
Krystyna Cabaj